Zuletzt aktualisiert am 18.03.2024

Niemand gibt gerne zu, dass er sparen muss. Oder, dass er knapp oberhalb oder sogar unterhalb der definierten Armutsgrenze lebt. Es ist auch heute oft noch ein Tabu-Thema. Dabei trifft Altersarmut (auch Rentenarmut) schon jetzt viele Menschen. Und zukünftig vermutlich mit steigender Tendenz.

Es kann jeden treffen

Menschen, denen die Rente nicht reicht, sind aus verschiedensten Gründen betroffen: Eine Mutter hat eine längere Auszeit für ihre Kinder genommen und arbeitete anschließend in Teilzeit. Menschen mit geringem Grundeinkommen, wie u. a. Friseusen oder Friseure, Bäckereifachverkäuferinnen; informell Beschäftigte, Langzeitarbeitslose.

Eine schwierige Situation

Dabei möchten Menschen im Alter nur ihren wohlverdienten Ruhestand genießen. Stattdessen müssen sie, weil die Rente nicht reicht, auf jeden Cent achten. Unvorhersehbare Ausgaben, wie Reparaturen, steigende Energiekosten, geraten zur Belastung und Herausforderung. Diesen Menschen bleibt, neben den Anlaufstellen, um eine Grundrente oder Elternunterhalt zu beziehen, nur sparsamer zu leben.

Die Rente reicht nicht: Wie gelingt es, mit weniger Geld zu leben?

Wie lässt sich im alltäglichen Leben Geld sparen, und das Leben trotzdem etwas genießen?
Hier folgen meine Tipps zum Sparen im Alltag:

Den finanziellen Überblick erhalten

Rente reicht nicht | Pro Aging Welt

Wichtig: Wie viel Geld habe ich monatlich zur Verfügung? Welche regelmäßigen monatlichen oder jährlichen Ausgaben habe ich? Die jährlichen Ausgaben sollten auf monatliche Ausgaben heruntergerechnet werden. Dem gegenüber stehen die monatlichen Einnahmen. Erst dann ist bekannt, welcher Betrag übrigbleibt bzw. fehlt.

Bei den Ausgaben ist es vorteilhaft, unregelmäßig auftretende Ausgaben, z. B. Kleidung, Möbel, mit zu berücksichtigen. Manchen hilft es ein Haushaltsbuch in Papierform zu führen. Andere erstellen eine Excel-Liste.

Sparen im Haushalt

Erstelle einen wöchentlichen Speiseplan und versuche dabei die Angebote der Supermärkte zu berücksichtigen. So kaufst du nur das ein, was du wirklich an Lebensmitteln benötigst und dies auch noch günstiger. Auf Basis des Speiseplans wird der Einkaufzettel erstellt. Kaufe nichts, was nicht auf diesem Zettel steht. Dies gelingt dir besser, wenn du nicht hungrig einkaufst. Große Packungen sind nicht unbedingt günstiger, genauso wie angepriesene Markenartikel. Vergleiche deren Preise mit denen der No-Name Produkte oder der Eigenmarken der Supermärkte. Überschüssige Lebensmittel oder Essenreste können für die Resteküche genutzt oder eingefroren werden.

Einfache und schon bekannte Spartipps in der Küche sind: Das Trinken von Leitungswasser und das Kochen mit geschlossenem Topfdeckel.

„Aus der Neige ist nicht gut sparen.“
Deutsches Sprichwort

Gebraucht oder geliehen - statt neu

Einige Gegenstände oder Geräte werden nur selten benötigt. Eine Neuanschaffung lohnt sich dann nicht. Wenn die Rente nicht reicht, du jedoch unbedingt diese Geräte brauchst, leihe sie oder schaffe sie gemeinsam mit Freunden oder Familienmitgliedern an. In diesem Fall wird auch weniger Aufbewahrungsfläche (in der Küche oder im Keller) gebraucht.

Inzwischen gibt es nichts, was nicht gebraucht gekauft werden kann. Oft sind gebrauchte Kleidung, Kinderwagen, Möbel etc. in erstaunlich gutem Zustand und viel zu schade, um einfach entsorgt zu werden. Vorsicht ist bei gebrauchten Schuhe geboten, da ein Fußbett schon nach kurzem Tragen durch die Füße geprägt ist. Das kann einen negativen Einfluss auf das eigene (Wohl-)Empfinden beim Gehen haben.

Örtliche Bibliotheken verleihen neben klassisch gedruckten Büchern auch Online-Bücher, Hörbücher, Filme & Musik usw. Für Kinder ist die Mitgliedschaft überwiegend kostenlos.

Werkzeuge oder handwerkliche Geräte sind häufig in Baumärkten zu mieten.

Wenn schon neu - dann antizyklisch kaufen

Sparpotenzial bietet auch antizyklisches Kaufen bzw. Einkaufen während des Sales, des Schlussverkaufes. D. h. Winterschuhe oder -mantel werden am Ende des Winters, Badehose oder Sommerkleidung gegen Sommerende erworben.

Sparen beim Wohnen

Wer in einem großen Haus oder einer für sich allein zu großen Wohnung lebt, kann ein oder sogar mehrere Zimmer untervermieten. Achtung: Mieterinnen oder Mieter benötigen hierzu die Zustimmung des Vermiters oder der Vermieterin. Eine Alternative dazu wäre es, in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Dabei sind jedoch die Umzugskosten und eventuell erforderliche Neuanschaffungen zu berücksichtigen. Ein Umzug aufs Land kann bei dort niedrigeren Immobilienpreisen bzw. -mieten die Kosten senken. Hier wären die dadurch anfallenden Fahrtkosten zu beachten.

Energiekosten senken

Durch stetig steigende Energiekosten ist es fast unvermeidlich, sich mit dem Thema möglicher Einsparungen zu beschäftigen.

Vielleicht reichen dir statt 24, 23 oder 22° C Raumtemperatur auch 21° C. Jedes Grad zählt. So sollte die Temperatur der Heizkörper reduziert werden, wenn du die Wohnung verlässt oder schläfst.

Nutze Umschalt-Steckdosen oder ziehe die Stecker, um ungenutzte Geräte nachts oder während längerer Abwesenheiten auszuschalten. Stand-by sollte vorbei sein!

Statt ein Fenster dauerhaft zu kippen, ist regelmäßiges Stoßlüften besser. Dabei wird die verbrauchte Luft schneller gegen frische ausgetauscht. Zudem kühlen dadurch Wände weniger aus. Dies spart Heizkosten und reduziert Schimmelbildung.

Waschmaschine und Geschirrspüler sollten nur dann angestellt werden, wenn sie wirklich voll beladen sind. Achtung: Ein Überladen ist zu vermeiden. Mögliche Schonwaschgänge oder niedrige Waschtemperaturen sparen außerdem Geld.

Zusätzlich können unabhängige Energieberater der Verbraucherzentrale Energiefresser im Haushalt aufspüren. Zudem geben Sie dir wertvolle Tipps, wie du deine Stromkosten senken kannst. Dazu könnte auch gehören, dass du die Preise für Strom und Gas verschiedener Anbieter vergleichst und dann zu einem günstigeren wechselst.

Zwei auf einen Streich: Energiekosten zu reduzieren, entlastet neben dem Geldbeutel auch die Umwelt.

Fahrkosten sparen

Frau mit Fahrrad - Rente reicht nicht | Pro Aging Welt

Statt das Auto nehme das Fahrrad – vor allem für Kurzstrecken – oder öffentliche Verkehrsmitteln, wie Bus, Straßenbahn oder Bahn. Wer sein Auto oder Fahrrad nicht täglich nutzt, ist durch einen Umstieg auf Car Sharing oder Leihrad bei Bedarf mobil und spart trotzdem Geld ein.

Frühbucher oder Vielfahrer haben bei der Bahn monetäre Vorteile: durch günstigere Tickets bei frühem Kauf oder durch den Erwerb einer Senioren BahnCard (ab 65 Jahre).

Sparen bei der Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenkasse kannst du auch im Rentenalter wechseln. Vorausgesetzt: Du warst mindestens 18 Monate bei deiner bisherigen Krankenkasse versichert.

Sparen bei anderen Versicherungen

Etliche Deutsche sind überversichert – insbesondere Rentnerinnen und Rentner. Denn im Ruhestand sind z. B. Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen sinnlos.  Diese können jetzt gekündigt werden.

Auch, wenn du deine Versicherungen behalten möchtest, lohnt sich eventuell ein Tarif- oder Anbieterwechsel. So werden die Policen von Haftpflichtversicherungen beispielsweise mit der Zeit immer besser und günstiger. Zudem sparst du Geld, wenn du die Beiträge statt monatlich, jährlich bezahlst. In diesem Fall gewährt dir der Versicherer Rabatt.

Sparen bei der Steuer

Viele Rentnerinnen und Rentner zahlen mittlerweile Steuern auf Ihre Alterseinkünfte. Diese Steuerlast lässt sich reduzieren, indem du z. B. hohe Gesundheitskosten (verordnete ReHas, Fahrtkosten zum Arzt, Behandlungskosten, die die Krankenkasse nicht zahlt) geltend machst.

Hier findest du weitere Infos für die Rentenbesteuerung sowie Tipps, welche Ausgaben, du in deiner Steuererklärung steuermindernd geltend machen kannst.

Rabatte helfen beim Sparen im Alltag

Der Senioren-Teller in Restaurants oder die Senioren Bahn Card gibt es schon lange. Darüber hinaus bieten viele öffentliche sowie kulturelle Einrichtungen oder Dienstleister spezielle Rabatte für Seniorinnen und Senioren. Voraussetzung hierfür ist i. d. R. der Rentenausweis.

Nutze diese Rabatte – ob in der Bibliothek, dem Zoo, dem Schwimmbad, dem Sportverein, der Volkshochschule, beim Reisen etc. – um deine Ausgaben zu senken.

Und ist es nirgendwo separat ausgewiesen: Nur wer fragt, gewinnt!

Die Tafeln: Lebensmittel, eine warme Mahlzeit oder Gesellschaft

Tafeln gehören vermehrt zur Normalität im Alltag von Menschen – ob jung oder alt, denen das Geld für die eigene Ernährung nicht ausreicht. Tafeln retten nicht nur Lebensmittel und geben diese sinnvoll weiter. Sie bieten auch barrierefreie Räumlichkeiten mit der Möglichkeit zu sozialen Kontakten, z. B. in Senioren-Cafés. Inzwischen gibt es in einigen Orten Lieferdienste der Tafeln für ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Hier findest du eine Tafel in deiner Nähe.

Rente aufbessern

Mann an Nähmaschine - Rente reicht nicht | Pro Aging Welt

Wenn bei Altersarmut alles Knausern und Knapsen nicht reicht, kannst du dir – bei entsprechender Fitness – etwas dazuverdienen. Doch Vorsicht!

Folgende Regeln bestehen bei den Hinzuverdienstgrenzen:

Ihre Altersrente vorziehende Frührentnerinnen und Frührentner dürfen seit 1. Januar 2023 beliebig viel zusätzlich verdienen. In diesen Fällen erfolgt keine Rentenkürzung.

Bezieherinnen oder Bezieher einer Erwerbsminderungsrente können einer selbständigen Tätigkeit oder Beschäftigung nur im Rahmen des festgestellten Leistungsvermögens nachgehen, auf dem die Erwerbsminderungsrente basiert.

Ist die Regelaltersgrenze bereits erreicht, gibt es nach oben keine Verdienstgrenze. Jedoch sind die Einnahmen zu versteuern.

Wenn das Aufstocken der Rente durch Zuverdienst unmöglich ist, besteht eventuell die Möglichkeit Grundsicherung zu beantragen.

Aktuelle Informationen zum Thema Grundsicherung findest du unter
www.deutsche-rentenversicherung.de/grundsicherung

„Sparen ist größere Kunst denn erwerben.“
Unbekannt

Was bedeutet Altersarmut?

Von Altersarmut (auch Rentenarmut) betroffene Menschen besitzen nicht ausreichend finanzielle Mittel, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. D. h. sie können ihre Lebenshaltungskosten nicht allein decken.

Menschen sind von relativer Altersarmut bedroht, wenn das Einkommen im Ruhestand unter 60 Prozent des Mediaeinkommens liegt. Dazu zählt, wer in Deutschland im Alter als Alleinstehende:r pro Jahr weniger als EUR 13.628 zur Verfügung hat (Stand: Februar 2023).

Meine Gedanken

Ich bin zwar noch nicht in Rente. Trotzdem habe ich schon mehrfach Zeiten erlebt, in denen ich besonders auf meine Ausgaben achten musste. Hier hat mir vor allem der Überblick zwischen meinen Ausgaben und Einnahmen geholfen. Dazu noch die Überlegung bei jeder ungewöhnlichen Anschaffung, ob ich es wirklich gerade jetzt brauche. Wichtig ist außerdem, sich trotzdem zwischendurch mal eine Kleinigkeit bewusst zu gönnen. Einfach, weil es der Seele guttut!

Die hier genannten, gewiss unvollständigen Tipps sind nicht ausschließlich für Seniorinnen oder Senioren. Sie können Ansätze für alle Menschen sein, die im Alltag sparen müssen.


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Aktualisiert am 20.02.2024


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