Loslassen ist keine Kunst!

Loslassen ist keine Kunst!

Mit Kunst hat Loslassen nichts zu tun. Im Gegenteil es ist harte Arbeit, ein Lernprozess, der zuweilen nicht allein zu schaffen ist. Das Loslassen wird manchmal erzwungen und ist dann kein freiwilliger Prozess, z. B. beim Auszug der Kinder, bei Trennung oder Tod. In diesen Fällen kommt der Anstoß dazu von außen und ist nur geringfügig beeinflussbar. Wird das sich Losmachen von einem selbst gesteuert, ist der Prozess dadurch nicht unbedingt leichter. Je nach Persönlichkeit, reflektierter Erfahrung oder Resilienz durchlebt eine Person den Prozess des Loslassens unterschiedlich herausfordernd.

Loslassen: Was bedeutet das?

Das Thema Loslassen begleitet uns unser gesamtes Leben – von der Geburt bis zum Tod. Bei der Geburt verlassen wir unfreiwillig einen sicheren und geschützten Ort: die Gebärmutter. Beim Tod scheiden wir freiwillig oder unfreiwillig, in dem wir das Leben loslassen. Somit beginnen und beenden wir unser Leben damit.

Synonyme für Loslassen sind u. a.: lassen, freilassen, losmachen, freisetzen, freigeben, befreien, weglassen, erleichtern, erlösen, freimachen.

Dadurch wird deutlich: Wenn Etwas oder eine Person losgelassen wird, entsteht Platz für Neues. Entweder werden Raum, Zeit oder Emotionen frei; manchmal auch alle drei gleichzeitig. Dies ist ein positiver Aspekt am Ende des Prozesses.

Die Antonyme „anketten, anbinden, fesseln, festhalten, zurückhalten, einsperren“ zeigen, was passiert, wenn der Loslass-Prozess andauert, nicht gelingt oder sogar keine Option ist. Hier herrschen Zwang und negative Emotionen.

Loslassen – ob freiwillig oder unfreiwillig, ist in jedem Fall besser als festhalten. Festhalten bindet Energie und produziert negative Gefühle. Es tut uns nicht gut – egal ob im Job, in einer Beziehung oder während der Freizeit.

Niemand hat gesagt, dass Loslassen einfach ist. Im Gegenteil! Abhängig davon, wie tief die empfundenen Gefühle sind, kann es einfach bis sehr schwer sein.


„One of the hardest lessons in life is letting go. Whether it`s guilt, anger, love, loss or betrayal.
Change is never easy. We fight to hold on and we fight to let go.”

Was passiert beim Loslassen?

Wird einem bewusst, wie negativ das Festhalten an einer Person, einer Situation, einem Gefühl oder einer Sache ist bzw. das eigene Leben beeinflusst, ist der erste Schritt getan. Eine Reflektion, dass sich etwas ändern sollte, hat stattgefunden. Verzweiflung und Hilflosigkeit können dadurch überwunden werden.

Nun muss der zweite Schritt folgen, denn Loslassen ist eine bewusste Entscheidung für sich selbst und für ein positives, von negativen Einflüssen befreites Leben. Der Wunsch nach oder das Ziel einer Veränderung sollte klar vor Augen sein. Der Fokus wird von der belastenden Situation weg nach vorne gerichtet. Der zweite Schritt ist vermutlich der schwierigste, da er der Anfang von etwas Neuem ist. Er muss eventuell mehrfach wiederholt werden, abhängig davon wie sehr das Festhalten oder die Verzweiflung verankert ist. Dabei spielt vor allem Akzeptanz eine Rolle.

Welche Rolle spielt Akzeptanz für den Umgang mit Veränderung?

Akzeptanz bedeutet ein Anerkennen von Umständen und Tatsachen, und zwar ungeschönt wie sie eben in der Realität vorliegen. Dabei ist Akzeptanz ein aktiver Prozess. Somit ist Akzeptanz die Grundlage für eine erfolgreiche Veränderung.
Eine ausführliche Definition und Erklärung, was Akzeptanz mit Veränderung zu tun hat, sowie Tipps für mehr Akzeptanz findet ihr hier.

Starke Gefühle beim Loslassen

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Angst, Trauer und Unsicherheit sind die starken Gefühle im Prozess des Loslassens, da es eine Trennung, das Verlassen von Bekanntem bedeutet: von Gedanken, Emotionen, Menschen, Bedürfnisse, Wünschen, Orten, der eigenen Komfortzone…

Angst entsteht oft unbewusst. Es wird befürchtet, dass etwas gefühlt Negatives passieren wird, wenn etwas – vermeintlich Wichtiges – losgelassen würde. Oft müssen erst Ängste überwunden werden, damit Loslassen möglich ist. Hinter Ängsten oder Befürchtungen verbergen sich häufig unangenehme Wahrheiten, die bisher verdrängt oder im Unterbewusstsein gesammelt wurden. Deshalb gilt es, diese zu identifizieren. Um zu erfahren, welche Ängste hemmen, gilt es in sich hinein zu fühlen.

In diesem Prozess ist nicht nur Trauerarbeit zu leisten, sondern auch das eigene Selbstwertgefühl zu stärken. Je nach Persönlichkeit sind deren Intensität und Dauer unterschiedlich.

Trauerarbeit ist wichtig, damit Abschied (von einem unbefriedigenden Job, einer unglücklichen Beziehung etc.) genommen werden kann. Gefühle wie Wut, Schmerz, Zorn oder auch Schuldgefühle gehören in die Anfangsphase der Trauer. Sie haben ihren Raum und sollten nicht unterdrückt werden. Geduld und Verständnis sind in dieser Zeit gefragt. Ist der Schmerz über die Trennung bzw. das Loslassen überwunden, können neue Pläne geschmiedet und in die Zukunft geblickt werden. Die Übergänge können fließend sein. Denn, auch wenn die Zukunft gelebt wird, lassen Erinnerungen positive wie auch negative Aspekte der Vergangenheit wiederaufleben. Der emotionale Einfluss durch die Erinnerungen verringert sich jedoch im Zeitverlauf.


„Trauer ist Liebe. Es die ganze Liebe in einem, die man dann niemandem geben kann.“

Welche Rolle spielt Akzeptanz für den Umgang mit Veränderung?

Selbstwert ist die Summe von dem, wie ein Mensch über sich selbst denkt. Indem eine Person eine positive Einstellung zu sich selbst hat, stärkt sie ihr Selbstwertgefühl. Es fungiert wie ein innerer Schutzschild und ist untrennbar verbunden mit dem Glauben an die eigenen Möglichkeiten. Mit einem gesunden Selbstwertgefühl fällt es leichter, loszulassen und neue Wege zu gehen.

Hier lest ihr, wie ihr mit 6 Übungen und 6 Tricks euer Selbstwertgefühl stärkt.

Festhalten statt Loslassen: Was passiert?

In negativen Empfindungen, Situationen oder Beziehungen zu verharren, schadet der seelischen und körperlichen Gesundheit. Es verhindert das volle Ausschöpfen der eigenen Potenziale und Fähigkeiten. Und es geht sogar noch weiter: durch einen negativen Einfluss auf die Umgebung (z. B. Familie, Kollegen, Freunde).

Festhalten statt Loslassen kann zu Krankheiten führen. Psychosomatischen Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Aggressivität, Panikattacken, Suchtverhalten, Depression, Selbsthass sind nur einige davon.

Ignorieren oder Verdrängen hilft nicht, da dabei keine Akzeptanz, Auseinandersetzung mit der Ursache und keine Veränderung stattgefunden haben. Im Gegenteil, je nach Situation bedeutet dies ein Verharren in einer Opferrolle.

Leichter Loslassen mit Unterstützung

Dieser schwierige und schmerzhafte Prozess fällt mit Begleitung und Unterstützung leichter, um u. a.

  • Gedankenstrukturen loszulassen,
  • die eigene Angst zu überwinden,
  • sich bewusst zu werden, dass die eigenen Gefühle beeinflussbar sind,
  • die Ist-Situation zu reflektieren,
  • hilfreiche neue Gewohnheiten oder Strukturen zu etablieren.

Dies können Menschen sein, die solche Situationen bereits erfolgreich bewältigt haben. Es kann eine (angeleitete) Gesprächsgruppe sein, in der Teilnehmer:innen von ihren Erfahrungen erzählen. Andere bevorzugen Berichte von Betroffenen in Büchern oder im Internet. Möglich ist auch eine therapeutische Unterstützung, systemische Beratung oder Coaching. Hier sollte jeder für sich erkunden, was er:sie gerade braucht, was für ihn:sie der richtige Weg ist. Eine professionelle Begleitung kann den Prozess verkürzen.

Was kommt nach dem Loslassen?

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Loslassen hat überhaupt nichts mit Versagen oder Aufgaben zu tun. Wer loslässt und dafür sorgt, dass es ihm:ihr selbst besser geht, ist auf dem richtigen, gesunden Weg.
Wer losgelassen hat, hat sich vor allem mit sich selbst und seinen Gefühlen, Werten, Wünschen und Erwartungen… auseinandergesetzt. Dadurch kennen sich diese Menschen selbst viel besser. Sie können eher ihre Gefühle wahrnehmen und berücksichtigen, besser auf ihre Bedürfnisse eingehen.

Hier sei noch einmal erwähnt, dass es sich um einen Prozess handelt. Dieser Prozess bedarf langfristiger Achtsamkeit. Da der Mensch und sein Gehirn an sich bequem sind, fallen sie deshalb oft in alte Verhaltensmuster zurück.

Nach dem Loslassen entsteht oft eine Leere, die mit Schmerz verbunden sein kann. Das gewohnte Leben ist nicht mehr so wie vorher. In dieser Phase tauchen unterschiedliche Gefühle auf. Sie kommen und gehen: Trauer, Wut, Verzweiflung, Unsicherheit, Hoffnung, Sorge… Das ist vollkommen natürlich. Mit etwas Abzuschließen braucht seine Zeit. Diese Emotionen dürfen und müssen durchlebt und gefühlt werden.

Nach einiger Zeit stellt sich – manchmal unbemerkt – ein Gefühl der Befreiung, der erneuten Zuversicht, der Lebensfreude ein. Ein emotionales Gleichgewicht entsteht. Neue Projekte, Hobbies oder Beziehungen werden angefangen. Jetzt ist es angebracht, achtsam zu sein und nicht in vorherige Verhaltensmuster zurückzufallen.


„Älter werden bedeutet nicht unbedingt, zu wissen, was man im Leben will. Aber immerhin weiß man nach und nach, was man nicht mehr will.“

Meine Gedanken

Ich habe schon oft loslassen müssen: z. B. meine Mutter, meinen Sohn, Beziehungen zu Freunden und Partner. Einfach war es nie und manchmal trauere ich noch jetzt. Inzwischen mache ich mir dann bewusst, warum es so passiert ist und was daraus Positives entstanden ist. Das hilft mir, den Fokus wieder auf die Gegenwart zu richten. Und im Hier und Jetzt das Beste aus meinem Leben zu machen.

Veröffentlicht am 29.08 2021

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